Politisch Korrekt? Eine kritische Auseinandersetzung mit der Idee hinter der Marke

Natürlich, ohne Tierversuche hergestellt, Vegan, mit Produkten aus fairem Handel, mit umweltfreundlicher Verpackung... es gibt viele Stempel...

Natürlich, ohne Tierversuche hergestellt, Vegan, mit Produkten aus fairem Handel, mit umweltfreundlicher Verpackung... es gibt viele Stempel, mit denen auch die Firmen auf dem Beauty-Sektor sich schmücken und nach denen wir Ausschau halten. Aber wie sieht es aus mit dem Siegel „politisch korrekt“? Wisst ihr, welche politische Meinung hinter eurer Tagespflege steckt? Wie der Hersteller eures Duschgels zur gleichgeschlechtlichen Ehe steht? Oder ob ihr mit dem Kauf von Haarspray Abtreibungsgegner unterstützt? Das mag vielleicht jetzt etwas überspitzt klingen, aber tatsächlich haben auch Produkte eine politische Aussage, denn die Firmen, die sie herstellen haben eine solche.
Kürzlich gab es auf FB eine Diskussion über einen amerikanisch-stämmigen Vertrieb. Es wurde zum Boykott aufgerufen, da die Firma eine bestimmte Partei sponsert und somit in Verbindung mit sehr konservativen Werten gebracht wurde. Von fast schon rechtsextremen Werten war die Rede, von Gegner der Homo-Ehe und der Abtreibung. Das brachte mich dazu darüber nachzudenken, in wie weit eben solche politischen Meinungen auf unser Kaufverhalten wirken. Tun sie es überhaupt?

Ich denke, wir alle machen uns kaum Gedanken über die politischen Werte einer Marke und bekommen daher oft nur sehr reißerische und populistische Ausschnitte mit, in denen einzelne Aspekte hochgepuscht und dadurch auch teilweise falsch dargestellt werden . Fakt ist – grade in den USA gibt es nicht so eine Parteienvielfalt wie bei uns. In Deutschland z.B. gehören neben der SPD und der CDU auch die FDP, die Grünen, die Linke und mittlerweile sogar die Piratenpartei zu den Spitzenparteien.
In den USA beispielsweise herrschen hingegen nur zwei Parteien: die eher konservativen Republikaner, deren starke Verankerung in traditionellen und christlichen Werten auch die Ablehnung der Gleichgeschlechtlichen Ehe und Abtreibung beinhaltet, die gleichzeitig aber auch die Wirtschaft fördern wollen und den Zusammenhalt der Familie groß schreiben. Diese Einstellung wird als „rechts“ bezeichnet und hat doch nicht mit „rechtsextrem“ oder „rechtsradikal“ zu tun. Gegner der Republikaner bezeichnen sie als Kriegshetzer, als feindlich gegenüber allen, die nicht in die Norm passen. Dem gegenüber stehen die Demokraten, eine progressive und somit eher „links“ / liberale Partei, die für soziale Entwicklung, Gewerkschaftsnähe und die Auflockerung der Todesstrafe steht. Hier denkt man anders über die Homo-Ehe und über Abtreibungen. Doch auch hier gibt es Gegner, die die Demokraten als zu „weich“ und zu sehr nach Aussen orientiert empfinden.

Firmen, die sich also politisch aktiv zeigen müssen sich zwischen den verschiedenen Lagern entscheiden. Während des Wahlkampfs fließen oft Tausende, manchmal sogar Millionen in die Wahlkampftöpfe der einzelnen Parteien und indem eine Firma eben eine der Parteien finanziell unterstützt, zeigt sie sich auch mit deren Werten und dem Parteiprogramm einverstanden. So kann es also passieren, dass ein Riese wie Microsoft einer der größten Sponsoren der Republikaner ist, oder ein deutscher Automobilhersteller wie Audi eben Sponsor der SPD. Große Unternehmen wie Avon oder Procter & Gamble, zu denen u.a. Herbal Essences, Max Factor, Olaz, Pantene oder Wella gehören, spenden beiden großen amerikanischen Parteien gleichermaßen und unterstützen somit beide Parteiprogramme. Und wie sieht es mit deutschen Marken aus? Die Metallindustrie, die Allianz-Versicherung und BMW und Daimler sind große Sponsoren der CDU, die SPD steht hingegen Audi, E.on oder Bayer nahe.

Was heißt das nun für uns und unser Kaufverhalten? Dürfen wir keine Produkte mehr kaufen, deren Mutterkonzern Spenden für eine Partei zahlen, deren politischer Einstellung wir nicht folgen? Ist es überhaupt immer ersichtlich, zu welchem Lager eine Marke gehört? Interessiert es uns im Alltag, oder ist dieses Siegel einmal mehr eines, auf das wir nicht „auch noch“ achten können?

Ich möchte hier nun darauf verzichten, wie sonst üblich abschließend meine Meinung darzustellen, denn mich interessiert vielmehr, was ihr darüber denkt, ob ihr eich überhaupt schon Gedanken zu diesem Thema gemacht habt.


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17 Kommentare

  1. In den USA gab es ja Ende Juni einen großen Aufwand wegen Oreo un dem gay pride-Cookie - mit wilden Aufrufen zum Oreo-Boykott (zahlreiche Infos gibt es bei Google). Anschließend daran eine Mega-Diskussion auch von Bloggern, Youtubern, generell den Medien etc. - Und ich glaube, weder Apple, noch Nike, noch Oreo sind seitdem pleite gegangen ;)

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  2. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich total unpolitisch bin und mich Politik null interessiert. Dementsprechend ist mir das Thema auch total egal - aber trotzdem interessant, dass es mal jemand aufgreift.
    Außerdem benutze ich gerade aus dem Kosmetikbereich nicht nur Produkte von zwei oder drei Marken, sondern von 20 verschiedenen - und die werden wohl kaum zufälligerweise alle die gleiche politische Richtung einschlagen.

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  3. Sehr interessante Beobachtung!
    Ich denke, über diese Aspekte denkt keiner nach, wahrscheinlich auch, weil es viele nicht interessiert.
    Ich habe ein sehr pessimistisches Bild von Politik und Parteien, aber wenn Menschen/ Konzerne diese unterstützen, dann ist mir das eigentlich egal, auch, wenn ich diese Meinung nicht vertrete.
    Ich toleriere Meinungen anderer.
    Solange der Konzern seriös bleibt und ich mich darauf verlassen kann, dass sie ihre Arbeit unabhängig davon machen, was sie für eine politische Meinung vertreten, ist mir das ehrlich gesagt egal.
    Aber interessantes Thema! :)
    Danke für den Beitrag!

    liebe Grüße

    Judith

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  4. Da ich leider nich fähig bin,mich in allen Bereichen meines Lebens korrekt zu verhalten,spielt das für mich keine Rolle.
    So ähnlich ist es ja zB auch beim Essen,dieses und jenes ist ungesund,für Fleisch müssen Tiere sterben,das ist krebserregend,das macht Dich fett....... Dann darf ich gar nichts mehr (essen/konsumieren...)und mich gleich erschiessen.
    Halt! Nein! Blei im Körper ist schädlich!!

    Interessant,dass Du es hier ansprichst,und ich denke auch darüber nach,aber.....Siehe Satz 1

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  5. @sabieeene Hey - danke für deinen ehrlich Kommentar! Ich wollte keinesfalls sagen, dass man sich mit dem Thema befassen MUSS. Vielmehr geht es mir darum zu erfahren, ob das ÜBERHAUPT ein Thema für euch ist :)Wie du schon sagst - es gibt so viele Sachen auf die man achten soll / kann, da verliert man auch mal den Überblick oder auch die Lust...LG

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  6. Ganz genau wie bei Moppeliiinchen - ich kann beim Thema Politik einschlafen und achte darauf so gar nicht.

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  7. hey. das ist in der tat eine wichtige und interessante und noch mehr: vor allem weitgehenst undiskutierte frage.

    ich denke in deutschland interssiert das kaum einen und man weiß auch einfach zu wenig. ich bin schon immer froh wenn ich bezahlbare natur- /tierversuchsfreie kosmetik bekomme- da achte ich nicht noch auf die partei. wobei man ja dann auch denken kann, dass die hersteller dieser produkte wenigstens ein ökologisches verständnis haben/mit einem teilen. aber ob sie pro/contra abtreibung sind? das ist mir bei fast keinem bekannt. in deutschland habe ich auch das gefühl, sponsorn die Firmen auch seltener (weniger öffentlich?) für den Wahlkampf - aber in D finanziert sich der Wahlkampf ja auch etwas anders als in den USA. aber eig hast du recht. man sollte nur firmen unterstützen deren philosophie/moral man unterstützt. das gilt dann aber eben auch für mitarbeiterbezahlung etc etc. ein unternehmen deckt so viele bereiche ab - wenn man das alles beachtet, könnte man wohl nur noch bei einer hand voll unternehmen produkte kaufen.

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  8. Freut mich dass Du es so verstanden hast wie ich es meinte!
    Dennoch schadet es sicher nicht,mal was zu hinterfragen/ nachzudenken,bevor man kauft/isst/redet/macht/konsumiert etc! Vom Ansatz her durchaus interessant.
    Mir fällt auf,dass aber oft die am lautesten schreien,die es (hintenrum) eben gar nicht am besten machen,obwohl sie gern hätten,dass es (vornerum) so aussieht.....
    Aber das ist 1 anderes Thema :-)

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  9. Muss ehrlich sagen, dass mich das null interessiert, was eine Firma mit den Geldern macht, die sie von mir als Käufer bekommen.

    Ich habe nur ein Leben und das genieße ich und würde mich da niemals in Hinsicht auf Markenvielfalt eingrenzen.
    Ich schminke mich schließlich, um gut auszusehen und nicht um diverse Sachen zu unterstützen/abzulehnen.
    Zumal ich auch politisch in keinster Weise interessiert bin.

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  10. naja...wo fängt man an 'korrekt' zu kaufen und wo hört man auf?
    Ich kaufe immer noch bei H&M oder Kleinkram bei Kik obwohl ich weiß, dass in Entwicklungsländern Kinder dafür arbeiten müssen. Und ich weiß auch, dass die Firmen, von denen ich meine Kosmetik beziehe zum Teil Tierersuche machen (bzw. diese im Ausland an den einzelnen Rohstoffen legal praktiziert werden können und wahrscheinlich auch werden).

    Fakt ist doch, dass wir alle nicht blind oder taub sind. Wir sehen viel und wir hören viel. Aber etwas zu wissen, heißt nicht automatisch sein Leben dafür umzukrempeln.
    Ich finde es gut ambitioniert zu sein und ich finde es gut nicht wegzusehen und aufzuklären, aber bis wohin man geht und wo die eigenen Interessen und Möglichkeiten dann aufhören, muss jeder für sich entscheiden und das finde ich auch nicht verurteilungswürdig. Man kann nie alles richtig machen.

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  11. @Milchschoki Du hast völlig, recht - niemand darf einen Anderen dafür verurteilen, was oder wie dieser einkauft, bzw. auch ganz allgemein lebt! Mich hat es eben nur interessiert, wie ihr dieses Thema empfindet, weil es eben so ein großes Thema auf FB war. Aber wie ich das hier so sehe, ist "politisch korrekt" wirklich ein a) schwer umzusetzendes Thema, weil man gar nicht immer die Infos bekommt und b) ein Thema, das wir nicht "auch noch" beachten können.
    Ich denke ich geht auch nicht um "richtig" oder "falsch" :) Dane für deine ehrliche Meinung!

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  12. Für mich ist das zu abstrakt.

    Es gibt Aspekte, auf die ich durchaus sensibel reagiere, die mich aber schon nicht ausreichend beeinflussen können, um mein Kaufverhalten zu ändern.

    Politik, insofern es um demokratische Staaten geht, könnte mich in der gegenwärtigen Lage nicht zum Überdenken eines Kaufs anregen. Das könnte sich natürlich ändern, wenn es nicht mehr um Spenden geht sondern Konzerne Regierungen unter Druck setzen. Wobei ich auch das tausendfach zerpflücken könnte.

    Aus unserer Perspektive würde mich aber durchaus interessieren, ob jemand bewusst etwas von einem anderen US-Konzern kauft, als von einem, dessen politische Ausrichtung ihm nicht passt, an Stelle einfach beim "Made in Germany" zu bleiben. Das ist mir doch etwas zu konfus.

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  13. @Magi Dein Gedanke, ob sich jemand bewußt an Firmen hält, deren politischen Hintergrund er nahe steht, würde mich auch interessieren. Und obwohl auf FB doch einige recht deutliche Stimmen zu vernehmen waren, hat bisher hier noch niemand so deutlich Stellung bezogen. Ich denke, dass da ein Thema arg "hoch gekocht" wurde, welches im realen Leben für kaum jemanden von Bedeutung ist. Ich denke ich werde die Chance nutzen und während meines Urlaubs mal vor Ort in den USA bei meiner Familie nachfragen, ob der politische Hintergrund einer Firma kaufentscheidend ist.

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  14. Ich hab mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken über dieses Thema gemacht. Das werde ich wohl in Zukunft auch nicht! Die "political correctness" einer Firma ist für mich nicht wichtig genug um über Produktkauf oder Nicht-Kauf zu entscheiden. Da gibt's für mich ausschlaggebendere Werte (Tierversuche, Menschenrechte...). Hier muss ich mich aber einigen anderen Kommentaren anschließen: Es wäre so gut wie unmöglich, sich nur ökologisch und ethisch korrekt zu kleiden, zu schminken, zu essen... Da müsste viel in den großen Konzernen passieren - was es nicht wird, solange der Profit vorrangig ist!!!

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  15. Ich hab mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken über dieses Thema gemacht. Das werde ich wohl in Zukunft auch nicht! Die "political correctness" einer Firma ist für mich nicht wichtig genug um über Produktkauf oder Nicht-Kauf zu entscheiden. Da gibt's für mich ausschlaggebendere Werte (Tierversuche, Menschenrechte...). Hier muss ich mich aber einigen anderen Kommentaren anschließen: Es wäre so gut wie unmöglich, sich nur ökologisch und ethisch korrekt zu kleiden, zu schminken, zu essen... Da müsste viel in den großen Konzernen passieren - was es nicht wird, solange der Profit vorrangig ist!!!

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  16. Bei Kosmetik ist mir bisher nie etwas zu Ohren gekommen. Doch achte ich bei dem Lebensmitteleinkauf schon darauf, was ich kaufe.
    Ich kaufe keine Müller-Produkte, da Müller die NPD unterstützt. Ebenfalls meide ich Weihenstephan, da die Marke zu Müller gehört. Das sind halt so Kleinigkeiten...

    Generell beschäftige ich mich schon mit den politischen Einstellungen anderer Menschen. Typen die Klamotten rechtsextremer Marken oder Bands tragen finde ich einfach zu kotzen. Ich kanns einfach nicht verstehen, aber ich will es auch nicht.
    Allerdings ist es irgendwie auch schwierig. Alles was ich konsumiere hat bereits jemanden geschadet oder es wurde jemand dafür ausgebeutet...

    Ich weiß, dass für meine Kosmetik viele Tiere leiden mussten, aber ich esse auch Fleisch und damit hats sich dann für mich auch schon irgendwie erledigt.

    Wichtig ist mir noch zu sagen: Es gibt keine unpolitische Einstellung. Auf irgendeine Seite stellt man sich im Zweifel immer...
    Finde es ein spannendes Thema, allerdings hörts dann irgendwann wirklich mal auf.

    Liebe Grüße:)

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