Das Malheur mit den Komplimenten...

Ich bin hier am Blog zwar eher für meine Beauty-Reviews bekannt, aber heute möchte ich gerne kurz ei...

Ich bin hier am Blog zwar eher für meine Beauty-Reviews bekannt, aber heute möchte ich gerne kurz ein Thema aufbringen, dass mich seit einiger Zeit beschäftigt. Ich hoffe also, ihr nehmt mir diese persönlichen Worte nicht übel und teilt vielleicht sogar eure Meinung dazu mit mir....


Schon seit längerer Zeit stelle ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis fest, dass es den Menschen offenbar zunehmend schwerer fällt sich selbst „gut / schön / was-auch-immer“ zu finden und vielleicht sogar mal Komplimente anzunehmen. Mag sein, dass es diesen seltsamen Trend schon etwas länger gibt, aber ich habe ihn so nie wahrgenommen. Lobe ich heute ein tolles Outfit bekomme ich zu hören „Was – diese olle Hose? Nein, die ist nicht schön!“. Lobe ich ein Makeup ist die Antwort „Ach nein, das habe ich nur heute Morgen ganz schnell gemacht. Nix Besonderes!“. Lobe ich, dass jemand gut duftet werde ich mit einem skeptischen Blick, hochgezogener Braue und einem eher abschätzigen „na wenn DU meinst“ bedacht. Lobe ich die neue Figur, höre ich „Quatsch, guck mal die Speckrollen hier, hier und hier“. Lobe ich jemanden dafür, wie lecker das Essen war kommt gerne ein „Ach, das war nicht perfekt“ zurück, schwärme ich jemandem vor wie höflich und aufmerksam er / sie ist, hallt mir ein „Das ist nichts Außergewöhnliches, das musst du nicht so betonen“ entgegen. Die Liste der Dinge, die ich schon auf nette Worte zurückbekommen habe könnte ich noch fortführen, aber ich denke ihr bekommt eine Idee dafür, wovon ich spreche und kennt das vielleicht sogar selbst.

Das macht mich in manchen Momenten ganz wahnsinnig, denn es ist schon auch ein Stück weit ein Schlag vor den Kopf, wenn man etwas vermeidlich Nettes sagt und das nicht angenommen, sogar noch zunichte gemacht und die eigene Meinung als falsch oder gar lächerlich hingestellt wird.  Ich frage mich dann immer, woher dieses Verhalten kommen mag. Und ganz ehrlich, bei manchen Menschen verkneife ich mir dann zukünftig auch mal ein Kompliment oder Lob, weil ich weiß, dass es eh nicht angenommen wird und ich am Ende wie der letzte Depp dasteht, der nicht weiß welchen „Quatsch“ er da redet. So sollte das aber nicht sein! Klar, ich selber kenne das natürlich in gewissem Maße auch – es fällt mir zuweilen schwer, Komplimente, oder einfach liebe Worte anzunehmen und das aus den unterschiedlichsten Gründen. Ich habe beispielsweise im letzten dreiviertel Jahr aus gesundheitlichen Gründen ziemlich an Gewicht verloren und bekomme dafür immer wieder nette Kommentare von Freunden oder sogar Kunden auf der Arbeit. Ich lächle dann schüchtern, flüstere ein Danke und bekomme rote Wangen. Mal ist mir unangenehm, von wem das Kompliment kommt, dann wieder fühle ich mich selbst nicht gut und sehe mein Äußeres einfach anders – wie gesagt, Gründe gibt es viele, wenn man danach sucht. Aber ich versuche zumindest das Kompliment anzunehmen, die Meinung und Nettigkeit meines Gegenübers ernst zu nehmen und zu würdigen.

Das funktioniert bei mir nicht immer gleich gut und wenn ich sehe, wie auch meine Mitmenschen oftmals auf Komplimente reagieren komme ich einfach nicht umhin mich zu fragen – WIESO ist das so schwer für uns? Warum können wir nicht einfach mal „Danke“ sagen und uns freuen? Warum diese Gegenwehr, dieses Abtun? Ist es, dass wir uns selbst einfach völlig anders (schlechter) sehen, als Andere und ihnen somit das Gute nicht glauben wollen - oder können? Oder wollen wir einfach nur bescheiden wirken? Sind uns Komplimente die uns für den Bruchteil einer Sekunde in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken generell unangenehm? Können wir einfach diese Attribute wie schön / klug / geschickt / sexy mit denen wir beschrieben werden nicht mit unserer eigenen Wahrnehmung überein bringen? Wollen wir nicht arrogant wirken? Was genau führt dazu, dass viele Menschen sich unwohl fühlen, sobald man ihnen Komplimente macht?
Manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Umwelt durch die Medien so „perfekt“ wirkt, dass der normale Mensch mit seinen Macken und Narben dagegen gar keine Chance hat schön und gut zu sein. Aber keine Sorge, das wird jetzt keine „Anti-Medien“ Geschichte, ich gebe lediglich mein Bauchgefühl wieder. Und ja, auch Menschen die Teil dieser Medien sind geht es zuweilen nicht besser. Selbst auf Bloggerevents oder Events mit „Prominenten“ begegnet mir dieses Phänomen nämlich immer mal wieder und das überrascht mich noch mehr. Denn diese Menschen sind doch eigentlich direkte Rückmeldung gewohnt, schließlich stehen sie selbst gewählt ziemlich in der „Öffentlichkeit“ und Kommentare sind immer ehrlich und direkt. Aber auch hier sehe ich Selbstzweifel, Unsicherheit, Abtun, eine Wahrnehmung die nicht mit derer von Außenstehenden übereinstimmt und die Tendenz, sich selbst zumindest nicht im Brustton der Überzeugung großartig zu finden.

Mein Plädoyer lautet also – wir müssen lernen und selbst fantastisch zu finden! Wir müssen lernen, dass Komplimente anderer ein Ausdruck von Respekt sind und ebenso beantwortet werden sollten!
Ja, ein kritischer Blick auf sich selbst ist durchaus gesund und führt dazu, dass wir uns weiter entwickeln und immer das Beste aus uns herausholen. Das ist wichtig, keine Frage. Aber diese Kritik sollte doch immer wohlwollend sein und auch Raum dafür lassen, dass wir Facetten von uns so wie sie sind schön / gut / richtig finden. Niemand soll zu einem egozentrischen, selbstverliebten Schnösel werden – aber ein bisschen mehr Schwärmerei für das eigene „Ich“ und Vertrauen darauf, das die Mitmenschen TATSÄCHLICH die Dinge an einem finden, die sie loben täte und sicher so manches mal gut…..

In diesem Sinne möchte ich nun ein Kompliment an unsere treuen Leser loswerden und hoffe, ihr nehmt es an: durch die Jahre hinweg habt ihr uns immer unterstützt, uns wohlwollend, aber kritisch begleitet und dafür viel Zeit und Mühe investiert um immer „am Ball“ zu bleiben. Für Chamy und mich bedeutet das viel – ihr seid fantastisch!

Und nun verratet mir – könnt ihr Komplimente annehmen? Tun euch diese lieben Worte gut, oder sind sie euch unangenehm?

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9 Kommentare

  1. Da hast du ein sehr interessantes Thema angesprochen, liebe Svenja! Ich habe erst in den letzten Jahren gelernt, Komplimente einfach anzunehmen. Aber ich frage mich auch, ob das Ganze kulturell bedingt ist? Hier in den USA machen sich die Leute sowieso viele Komplimente bzw. akzeptieren diese dadurch auch sofort. Ich bin immer wieder überrascht, dass einen auch Fremde auf der Straße manchmal einfach ansprechen und was Positives sagen.
    Andererseits fällt mir auch auf, dass besonders in der (deutschen) Blogwelt fast nur noch überragende Komplimente gegeben werden. Ich glaube, niemand traut sich so recht auch mal zu sagen: hey, dein heutiges Outfit steht dir nicht so gut. Vielleicht würde es helfen, generell eine direkte und ehrliche Meinung zu äußern und nicht irgendwo in der Mitte unterzugehen.
    Liebe Grüße Jana

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  2. Dieses Tiefstapeln ist wirklich so eine Krankheit vieler Menschen. Dabei zeigen uns Komplimente ja nur unsere Stärken - manchmal vielleicht sogar welche, die uns nicht bewusst waren. Ich finde, das darf man gerne dankend annehmen, das heißt ja nicht gleich, dass man arrogant ist.
    Das letzte Kompliment meines Chefs zu meinem Schreibstil hab ich als angehende Journalistin zum Beispiel mit Riesenfreude und ein bisschen Stolz angenommen :)
    Viele Grüße,
    Kathi

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  3. Ich tue mich schon immer schwer, Komplimente anzunehmen. Das ist vermutlich aus der Teenagerzeit, als das eben nicht passierte und ich eher übergangen wurde. Jetzt plötzlich Aufmerksamkeit und lob für mein Aussehen o.ä. zu bekommen, ist seltsam.
    Allerdings muss ich sagen, dass ich dank eines Kollegen, der mittlerweile ein sehr guter Freund geworden ist, lerne, die Dinge lockerer zu nehmen. Er hat mir schon öfters gesagt, wie sehr er meinen Charakter schätzt. (Die Details liste ich jetzt nicht auf) Ich habe das oft abgelehnt bzw. versucht herunterzuspielen. Einfach aus dem Gedanken heraus: Das bin doch nur ich und ich kann nichts dafür, so zu sein. Doch weil es mir mit ihm ganz genau so geht, lerne ich nun Tag für Tag, die kleinen Komplimente und Gesten, die es immer mal wieder gibt, einfach anzunehmen und zu genießen. Es ist ein wunderbares Gefühl und gibt Aufschwung für weniger schöne Tage!
    Liebe Grüße
    Melissa

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  4. Ich glaube echt es ist die Bescheidenheit. Keiner möchte arrogant oder selbstverliebt wirken und wenn man ein Kompliment annimmt, bestätigt man ja vermeintlich die Aussage.
    Mir gehts da aber ähnlich. Ich denke, ich bedanke mich zwar meist artig, aber innerlich denke ich mir trotzdem "stimmt doch gar nicht". ich kann komplimente auch ehr selten wirklich annehmen, leider.

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  5. Da hast du ein gutes Thema angesprochen, Liebes. Entweder man fühlt man sich bei Komplimenten peinlich berührt, hat das Gefühl, ebenfalls ein Kompliment machen zu müssen oder man nimmt sie erst gar nicht ernst, weil man misstrauisch ist. Und manchmal ist es, wie du schon sagst, einem einfach unangenehm, von gerade dieser Person ein Kompliment zu bekommen.
    Aber Warum? Eigentlich sind Komplimente doch etwas schönes und Balsam für das eigene Selbstbewusstsein und wir sollten sie mit Stolz , Freude und Dankbarkeit annehmen können.
    Manchmal denke ich, dass das von früher kommt.
    Unseren Eltern wurde falsche Bescheidenheit und Höflichkeit eingehämmert und diese haben sie dann wiederum auf uns übertragen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich früher, wenn mir jemand etwas schenken wollte manchmal "Ach, das brauchst du doch nicht" gesagt habe, obwohl ich ein Kind war und es natürlich gerne gehabt habe.

    Und dann ist da noch die Wand, das Hindernis, das man selbst aufgestellt hat. Daran können Komplimente wunderbar abprallen und zwar aus dem Grund, weil wir sie gar nicht hören wollen.
    Richtig lässt man Komplimente doch erst dann an sich ran, wenn man sich irgendwie mit dem gesagten arrangieren kann. Wenn man einen super tollen Kuchen backen wollte und dann nur ein Häufchen Elend zustande gebracht hat, dann können uns auch die nettesten Komplimente nicht überzeugen.
    Wenn wir morgens mit tiefen Augenringen und zu Berge stehenden Haaren in den Spiegel gucken und uns gerade mal so "akzeptabel" wieder her stellen können, dann glauben wir auch dem ehrlichsten "Du bist so schön" nicht, weil wir es selbst nicht so sehen...
    <3

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  6. Du hast so Recht mit deinen Worten. Ich gehöre sowohl zu den Menschen, die schlecht Komplimente annehmen können, wie auch zu denen, die dieses Phänomen beim Aussprechen von Komplimenten erleben. Allerdings ist mir durch deinen Artikel auch bewusst geworden, dass ich viel zu selten Komplimente mache, wenn sie wirklich angebracht wären und das möchte ich in Zukunft ändern. Man sollte nicht immer alles als selbstverständlich hinnehmen.

    Also sage ich hiermit meiner besten Freundin, dass sie die beste Zuhörerin und Ratgeberin ist. Ohne dich wäre ich schon so manches mal verzweifelt. Du bist IMMER für mich da, wenn ich dich (oft auch sehr kurzfristig) brauche. Ein Leben ohne Dich wäre undenkbar und ich werde mir in Zukunft mehr Mühe geben, dass ich dir vielleicht mal ansatzweise etwas von dem zurückgeben kann, was du für mich bzw. uns leistest. Love U

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  7. Da hast du echt total Recht :) Ist mir auch schon voll oft aufgefallen. Weiß aber ehrlich gesagt nicht was der Auslöser ist. Ein einfachen "Dankeschön" würde ja genügen.
    Alles Liebe,
    Julia
    http://julysbeautylounge.blogspot.com

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  8. Oh wow ich habe deinen Beitrag erst jetzt gelesen :D Wie schön und du hast absolut Recht. Hatte auch vor einigen Wochen etwas dazu geschrieben und diesen Artikel als einen meiner ersten Blog-Babys veröffentlicht, schau mal ;) http://www.things-ilove.de/wie-war-das-mit-den-komplimenten/

    Liebste Grüße
    Nesli | http://www.things-ilove.de/

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