Ich sehe was, was du nicht sieht – oder: Die Sache mit der Selbstwahrnehmung

Ich glaube es war Coco Chanel die dereinst sagte „Schönheit beginnt mit dem Moment, in dem du beschließt du selbst zu sein“! Aber ist es wir...

Ich glaube es war Coco Chanel die dereinst sagte „Schönheit beginnt mit dem Moment, in dem du beschließt du selbst zu sein“! Aber ist es wirklich immer so einfach? Können wir wirklich einfach in einem lichten Moment uns selbst liebevoll betrachten und ad hoc beschließen, unser wahres Ich ab sofort glänzen zu lassen? Können wir unsere vermeintlichen Makel an die Seite schieben und ganz in uns selbst aufgehen, zufrieden sein?



Die Sache mit der Selbstwahrnehmung und deren Auswirkung auf unser tägliches Leben ist nicht immer leichte Kost, denn oftmals scheinen wir selbst unser größter Kritiker zu sein und nach akribischer Suche Makel zu finden, welche dem aufmerksamen (externen) Betrachter an sich gar nicht auffallen würden. Wir sehen Dinge, die anderen an uns nicht auffallen, bewerten uns negativer, als ein objektives Bild vielleicht hergeben würde und mit lieben Worten anderer können wir in solchen Situationen schon mal gar nicht umgehen…. Kurzum – die rosarote Brille, durch die wir vielleicht auf andere sehen, setzen wir beim Blick in den Spiegel ganz schnell ab.
Nicht nur bei mir selbst, auch bei den Menschen in meiner Umgebung fällt mir immer wieder auf, wie sehr das Bild vom eigenen Ich von dem abweicht, was die Umwelt wahrnimmt. Und so fallen Rückmeldungen anderer, egal ob in Wort oder Tat, oftmals positiver aus, als ich es mir selbst zugestehen würde. Klar, es geht bei Anfällen völliger Selbstüberschätzung und narzisstischer Tendenz auch anders herum, so dass das eigene Selbst ohne jeden Makel gesehen wird – aber davon will ich heute nicht reden….
Die eigene Wahrnehmung ist doch sowohl im Tagesverlauf, als auch auf lange Sicht gesehen immer mal wieder leichten bis starken Schwankungen unterlegen, die ich vor allem auf die akute Lebenssituation und das eigene Wohlgefühl schiebe. Kurz gesagt: Geht es uns gut, läuft alles, dann fühlen wir uns auch besser in unserer Haut – bereitet uns das Leben Kummer, so fällt auch die Eigenliebe zunehmend schwer. Wir tendieren dann dazu, negative Rückmeldungen eher für wahr zu halten, als positive und machen uns damit selbst kleiner, als wir sind. Wenn ich beispielsweise alte Bilder aus meiner Teenie-Zeit ansehe - zu der ich wesentlich schlanker war als heute - so erinnere ich mich noch sehr genau an das Gefühl der Ablehnung gegenüber meinem Körper, dass mich damals tagtäglich begleitete. Ich fand mich zu dick, zu klein, zu kurvig im Vergleich zu Klassenkameraden, oder dem damals gängigen Schönheitsideal. Es war nie so dramatisch, dass ich einen enormen Leidensdruck empfunden habe, aber entspannt im Umgang mit mir selbst war ich auch nicht. Das war aber auch eine Zeit, in der ich noch nicht so ganz wusste wohin mit mir, der „rote Faden“ im Leben bildete sich erst aus und ich stand sicher noch nicht mit beiden Beinen fest im Leben. Wie sollte ich dann also auch fest zu mir stehen?!
Später dann, zu Zeiten meines Abiturs hatte ich eine ähnliche Figur wie heute und fühlte mich plötzlich so viel wohler in meiner Haut… ich war an sich noch kurviger, aber das störte mich nicht mehr, da sich mein Selbstbild komplett verändert hatte. Natürlich war mir bewusst, dass ich im direkten Vergleich einige Kilos mehr auf den Hüften hatte als so manche Freundin, aber ich konnte sehr viel besser damit umgehen, mochte mich und mein Äußeres viel besser leiden. Aber so ganz generell war ich etwas gefestigter, sei es nun im Hinblick auf Beziehung, meine Pläne mit Uni und Job etc. und genau das gab mir auch den Mut, mich selbst und mein Äußeres sehr viel mehr zu akzeptieren.
Solche Sprünge in meiner Selbstwahrnehmung erlebte ich viele durch die Jahre, oftmals eher unbewusst und ohne nachvollziehbaren Auslöser, manchmal aber auch ganz bewusst und klar durch positive, wie auch negative Erlebnisse. Zu sich selbst zu finden und man selbst zu sein, ist nämlich gar nicht immer so ein leichter Weg und es gilt Schlaglöcher, Steigungen und Ablenkungen am Wegesrand geschickt zu umgehen, um den Silberstreif am Horizont nicht aus den Augen zu verlieren. Und ja, auch auf so manche Menschen müssen wir aufpassen – solche nämlich, die uns versteckt, oder offen immer wieder das Gefühl geben, nicht okay zu sein und damit den eigenen Kritiker in uns wieder wecken, ihm Futter geben und ihn schließlich Überhand gewinnen zu lassen. Denn letztendlich entscheiden WIR doch jeden Tag aufs neue, wie liebevoll wir uns betrachten und was wir uns selbst zutrauen. Es ist UNSERE Entscheidung, nicht die der anderen dem roten Faden zu folgen und uns selbst wertzuschätzen, oder eben nicht.
Mittlerweile bin ich nach einigen „Ups and Downs“ (auch was mein Gewicht angeht) an einem Punkt angekommen, an dem ich wirklich „okay“ mit mir bin.
„Okay“… ihr merkt es schon, 100% Zufriedenheit steckt nicht dahinter, aber doch zumindest eine Wertschätzung für das eigene Ich und eine Akzeptanz dessen, was und vor allem WER ich bin. Ich war und werde nie der androgyne Typ sein, bauchfrei ist für mich keine Option und allgemeine Modelmaße kann ich für mich auch abschreiben. Dafür habe ich schöne Kurven, Spaß auch an „weiblichen Outfits“ und stehe fest zu mir. Ich habe in den letzten Jahren ordentlich abgespeckt und auch wenn es mir anfangs schwer fiel, mein neues Ich richtig einzuschätzen, lerne ich das mit jedem Tag mehr und mehr. Ich freue mich über positive Rückmeldungen und kann mittlerweile negative vielleicht sogar ein kleines bisschen besser wegstecken, realistischer einschätzen und mich davon nicht mehr so arg runter ziehen lassen. Ja, ich kenne auch meine Makel – was gut ist - und es gibt Tage, an denen machen mich diese Wahnsinnig. Aber ich schätze eben mittlerweile auch meine Vorzüge und kann so eben ein ausgeglichenes Bild von mir selbst leben, das auch wirklich nach Aussen hin vermitteln!
Das alles hat nichts mit Arroganz oder eingebildet-sein zu tun, ich will mich hier nicht in besonderem Maße hervortun und Fishing-for-Compliments ist so gar nicht mein Ding. Es geht mir viel mehr darum euch zu ermutigen, euch selbst mit mehr Wertschätzung zu begegnen, ein bestärkender Kritiker zu sein und euch einfach auch ein Stück weit großartig zu finden wie ihr seid! Habt einen liebevollen Blick auf euer Wesen und euren Körper, lasst euch von den Medien und der Umwelt nicht zu sehr unter Druck setzen und findet heraus, wer ihr sein wollt. Ich glaube „Selbstliebe“ ist hier das beste Wort – liebt euch, liebt eure Makel und auch wenn ihr etwas verändern wollt, tut es wohlwollend.



Bestes Beispiel dafür ist meine liebste Freundin Anna, die derzeit sehr offen, ehrlich, aber auch positiv ihren Weg zu mehr Gesundheit und einem fitteren Selbst auf ihrem Blog und Instagram schildert – dabei aber nie vergisst, sich selbst ein paar liebevolle Worte zu gönnen und stolz auf sich zu sein! Und das zu recht, denn diese wundervolle Persönlichkeit hat so viel erreicht, was ihr Bewusstsein für sich selbst und die tatsächlich wichtigen Dinge im Leben angeht, dass sie einfach nur stolz sein kann – ich bin es auf sie ganz sicher! Denn Anna zeigt sehr schön: sich zu verändern und an dem eigenen Ich zu arbeiten bedeutet nicht, dass man sich selbst komplett ablehnt, nicht liebt. Es bedeutet ganz im Gegenteil, dass einem die eigene Persönlichkeit und deren fleischliche Hülle so viel Wert ist, dass wir daran arbeiten wollen, um unser bestes Ich zu werden! Es zeigt, das wir es uns selbst Wert sein sollten in das Beste zu investieren was wir haben – uns!
Schönheit beginnt mit dem Moment, in dem du beschließt du selbst zu sein – und du selbst bist großartig! In diesem Sinne nun meine Frage an euch – wie wohlwollend steht ihr euch selbst gegenüber?

You Might Also Like

2 Kommentare

  1. Liebe Svenja, deine ehrlichen Worte sind so schön zu lesen und ich finde Anna und du seid beide so tolle Persönlichkeiten, die mich (und sicher auch viele andere) sehr inspirieren <3!
    LG Petra
    http://www.kirschbluetenblog.at

    AntwortenLöschen
  2. Ein extrem gelungener Beitrag! Vor allem der Satz "euch einfach auch ein Stück weit großartig zu finden wie ihr seid" gefällt mir sehr gut, weil er so viel Druck rausnimmt. Man muss nicht wie Dalai Lama über seinen Speckröllchen oder Augenringen stehen, aber man kann versuchen, sich selbst so zu nehmen wie man ist.

    AntwortenLöschen