Wochenbettdepression - „Wenn die Freude über’s Baby ausbleibt“

Im Rahmen meiner Themenreihe zu psychischen Erkrankungen geht es heute um die postpartale Depression, die auch unter Wochenbettdepression g...

Im Rahmen meiner Themenreihe zu psychischen Erkrankungen geht es heute um die postpartale Depression, die auch unter Wochenbettdepression geläufig ist. Noch immer scheint dieses Stimmungstief nach der Geburt des eigenen Babys ein Tabuthema zu sein, weswegen ich wirklich glücklich bin, dass sich eine betroffene Mutter gefunden hat, die heute in diesem Artikel ihre Gedanken freien Lauf lässt...


Als frisch gebackene Mutter sollte man lt. Aussagen aller anderen himmelhochjauchzend und voller Freude und Energie sein. Aber was, wenn man das nicht ist? Ich bin mir sicher dieses Thema betrifft mehr Frauen als sie zugeben möchten, da bei uns darüber geschwiegen wird. Bloß nicht zugeben, dass einem etwas fehlt, dass man sich eben nicht so fühlt, wie alle anderen das von einem erwarten. Aber wenn man dann mal mit Müttern ins Gespräch kommt, kristallisiert sich oft heraus, dass auch sie selbst einen schweren Start mit dem Baby hatten. Klar! Die Welt stellt sich von heute auf morgen auf den Kopf und man „muss“ nun 24 Stunden 7 Tage die Woche für dieses kleine Wesen sorgen. Obwohl man als Mutter auch oft mit den Strapazen der Geburt noch klarkommen muss und körperlich alles andere als fit ist, wird vorausgesetzt, dass alles Weitergeht wie bisher! Doch das ist in den wenigsten Fällen so.

Hier erzähle ich meine Geschichte – Mein Weg in die Wochenbettdepression… und wieder heraus! Es begann mit dem Kinderwunsch von mir und meinem Mann. Als ich schwanger war kam mir nicht mal ein Gedanke unter, dass irgendwann einmal etwas Derartiges kommen könnte. Die Schwangerschaft lief bis auf ein paar Kleinigkeiten eigentlich ziemlich gut. Wir freuten uns so auf unser Baby. Und ich habe jeden Tag die Kleidungsstücke sortiert, das Zimmerchen vorbereitet und den Tag einfach genossen! Auch vor der Geburt hatte ich so gar keine Angst. Ich wusste zwar nicht was auf mich zukommt, aber ich dachte immer „ich werde das schon schaffen, haben ja alle anderen auch geschafft“.

Die Geburt von unserem ersten Kind war dann alles andere als erwartet. Es war eine regelrechte Tortur. Bereits im Krankenhaus konnte ich keine Nacht mehr schlafen. Immer wenn ich meine Augen zugemacht habe, kam mir alles (Geburt) wieder unter. Es war schrecklich. Zudem weinte das Baby viel und ließ sich nicht beruhigen und eine richtig miese Nachtschwester tat ihr übriges, dass ich nur noch weg wollte. Es wurde mir im Krankenhaus Hilfe angeboten, die ich dankend ablehnte. „Ich bin nicht krank – ich weiß, daheim wird alles anders, besser!“ Wird wohl nur der „Baby-Blues“ sein.

Als wir dann aber daheim ankamen, fand das alles seinen Höhepunkt. Tagelang habe ich nichts gegessen, kaum getrunken und nicht geschlafen. Nicht mal wenn das Baby schlief fand ich Ruhe. Gedanken wie „warum soll ich schlafen, das Baby wacht doch gleich wieder auf und dann muss ich sowieso aufstehen“ beschäftigten mich. Mein Mann hat sich toll um unser Baby gekümmert und ich wusste, dass er alles gut macht und es dem Baby an nichts fehlt. Trotzdem fand ich keine Ruhe. Meine engsten Verwandten kamen und redeten auf mich ein, was mit mir los sei… und dass ich mich doch bitte nicht so anstellen soll – ich soll mich zusammenreißen, mein Kind braucht mich jetzt. (Solche Aussagen helfen einem nicht weiter... meiner Meinung nach baut das noch mehr Druck in einem auf.) Ich konnte mich noch so sehr bemühen, ich bekam nichts auf die Reihe.

Ich kam einfach nicht mit dem Gedanken klar, dass ich der Mittelpunkt für dieses Baby bin und fühlte mich so eingesperrt. Gerade am Anfang braucht einen ein Baby Tag und Nacht und fordert seine Bedürfnisse eben ein, das wusste ich vorher – ja, aber so krass habe ich es mir dann doch nicht vorgestellt. Mich plagten Gedanken wie „Ich fahre jetzt fort und komme nie wieder heim“. Was war denn los mit mir?! Ich wollte dieses Baby so sehr und freute mich so darauf und dann das?! Alles ging dann soweit, dass ich bei meinem Hausarzt an Infusionen hing und er mich und das Baby auf die Mutter-Kind Station einliefern lassen wollte. Zu meinem Glück war dort jedoch kein Zimmer frei und mit dem OK dieser Ärzte konnte ich dieselbe Behandlung wie die Mütter im Krankenhaus bekommen, allerdings von zu Hause aus. Was definitiv viel besser war, da ich in meinem gewohnten Umfeld war! Ab da ging es bergauf und ich war wieder ich selbst. Im Nachhinein tut es mir so unendlich leid für mein Kind, dass wir so einen schlechten Start hatten, aber so war es nun mal und man konnte es nicht ändern. Meiner Meinung nach hat uns dieser „schlechte Start“ aber noch enger zusammengeschweißt.

Als sich das 2. Kind ankündigte, hatte ich Angst, dass es mir wieder so ergehen wird. Aber als ich dann mit dem Baby Nr. 2 schwanger war, sah die Sache ganz anders aus. Ich wusste auf was ich mich einlasse. Wusste vorher schon was ich diesmal bei der Geburt nicht haben wollte und arbeitete darauf hin. Ich hatte eine so nette Hebamme mit der ich alles besprach und auch viele Dinge von der ersten Geburt aufarbeitete. Ich wusste wohin ich mich wenden musste, falls es mir wieder so erging. Ein bisschen Angst hatte ich schon – doch ich fühlte mich sicher.
Alles kam wie geplant. Es war eine tolle Geburt, so wie ich sie mir vorgestellt hatte. Danach war ich voller Energie und Liebe und ich konnte Bäume ausreißen. Dieses Gefühl kannte ich so gar nicht! Und es war schön. Natürlich gab es im Wochenbett mal das ein oder andere Gefühlstief, aber das war nichts im Gegensatz zu einer Wochenbettdepression. Es ist also nicht immer so, dass man so etwas auch beim 2. Kind wieder durchmachen muss.

Und zum Schluss: Ich möchte allen Frauen, Mamas, werdenden Mamas … Mut machen. Redet über dieses Thema. Sucht euch Hilfe, wenn ihr diese benötigt. Schämt euch nicht! Ihr seid nicht alleine. Und solltet ihr auch eine Geburt gehabt haben, die ihr nicht verarbeiten könnt – es besteht die Möglichkeit das Krankenhaus bzw. die Hebamme zu kontaktieren und alles mit ihr gemeinsam aufzuarbeiten. (Ich leider habe dies erst 2 Jahre nach Geburt meines 1. Kindes erfahren, dass so etwas möglich ist.)

Habt ihr nun noch Fragen, Wünsche oder Anregungen, dann schreibt mir gerne! Auch seid ihr gerne dazu eingeladen eure Erfahrungen rund um dieses Thema zu teilen. Egal, ob ihr selbst Therapeutin seid, oder eine Therapie gemacht habt, etwas über eure Erkrankung und eure Geschichte erzählen wollt, bitte gerne per mail@chamy.at melden!!! Sofern ihr möchtet, bleibt ihr natürlich vollkommen anonym.

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Symbolfoto: StockSnap über Pixabay

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